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FRIEDEN IST UNSERE SUPERKRAFT

Was für ein AbEND!

Die Veranstaltung hieß GESPRÄCH UND LESUNG. Und ja, die Lesung kam vielleicht etwas kurz, weil das Gespräch mit OMAR KHIR ALANAM - wie immer - so faszinierend, kurzweilig, tiefgründig und wunderbar humorvoll WAR.

Was es ist? Ein Kinderbuch für Erwachsene. Oder anagrammatisch korrekt: ein “Erwachensbuch” für Kinder, wenn man von der anderen Seite draufschauen will.

Omar Khir Alanam ist ein Meister des Perspektivenwechsels. Aufgewachsen in Syrien, seit 11 Jahren in Österreich, hat er Heimweh nach Wien, wenn er nach langer Zeit im Exil durch Damaskus streift und riecht den Jasmin seiner Kindheit in Rudolfsheim-Fünfhaus. Und diese Meisterschaft macht ihn zum Friedensbotschafter par excellence. Weil sie Beweglichkeit meint, und die Fähigkeit, das Fremde im Vertrauten zu sehen und das Vertraute im Fremden.

Danke ©SIEGRID CAIN für die wunderbaren Fotos!

Wer mit ihm spricht, sieht sich keinem Lehrmeister gegenüber und keinem Besserwisser. Sondern einem lebhaften Zweifler, der weiß, dass Wahrheit etwas Flüchtiges ist und das Leben eine Sammlung geglückter Momente. Als einen solchen geglückten Moment könnte man jedenfalls gestern Abend bezeichnen. Wir sinnierten, wir lachten, wir träumten. Und Omar tat das, was er so gut kann: erzählen. Und die Menschen im Raum hingen an seinen Lippen und der Funke sprang über und hinein ins Publikum, das mit ihm spielte als wäre es ein Stern.

FÜR DAS GUTE BRAUCHT ES VIELE - KLEINE SCHRITTE

Omar Khir Alanam hat ein naiv trotziges Buch geschrieben. Ein sehr wertvolles Buch über das, was uns nicht schicksalshaft zufällt, sondern jeden Tag im Kleinen, in der Begegnung mit dem Anderen, gebaut und gestaltet werden muss: den Frieden. In einem Interview spricht er vom “Zweifel als der höchsten Form der Anständigkeit.” Und er meint einen Zweifel, der nach innen geht. Der die eigenen Fundamente berührt. Passend dazu hat die Altphilologin und Nobelpreisträgerin Anne Carson bei René Descartes nachgelesen und stellt korrigierend fest, dass Descartes neu gelesen werden muss. Weil sein COGITO ERGO SUM, in Wahrheit ein DUBITO, ERGO COGITO, ERGO SUM ist: ich zweifle, daher denke ich, daher bin ich.

Vielleicht beginnt unser Menschsein, alles, mit dem Zweifel. Danke Omar für deine Beweglichkeit, deine Ehrlichkeit, deinen Humor und deinen Mut, den Zweifel zuzulasssen. Und die Geschichten zu hinterfragen, die uns festschreiben, niederdrücken und unglücklich machen. Danke für deine unermüdliche Arbeit mit denen, denen hoffentlich noch etwas Zukunft gehört. Unseren Kindern.

MORGEN IST SCHÖNER!