fairMATCHING zu Gast bei FS1
Im März gab es eine besondere Einladung für uns – nämlich zum Freien Fernsehen Salzburg – FS1.
Für die Sendereihe „Wenn Frauen über ihre Welten erzählen“ durften wir im Interview mit Ushi Liebing über unseren Verein fairMATCHING und unsere Erfahrungen mit Frauen auf ihrem Weg in die Arbeitswelt in Salzburg sprechen.
Vielen Dank für das Interesse und die Möglichkeit, in diesem tollen Ambiente über unsere Welten zu berichten.
Hier ist der link zu Sendung:
https://www.youtube.com/watch?v=cQjVCDNmgWM&t=3s
Einladung zum Sprachtreff der Diakonie
Vernetzung ist einer der wichtigsten Bestandteile und Erfolgsfaktoren in unserer Arbeit. Einerseits tut es gut, immer wieder festzustellen, dass es tolle Angebote und vor allem engagierte Menschen in Salzburg gibt! Zum anderen profitieren vor allem die Menschen, die wir betreuen, von Synergien, die wir erzeugen.
Daher hat es uns besonders gefreut, dass wir eingeladen wurden, beim Sprachtreff des Diakoniewerks im Rahmen eines Konversationstreffens mit Menschen aus der Zielgruppe und Freiwilligen über das Thema „Arbeitsrecht“ zu sprechen.
Fotocredit: Marisa Habibi
matchBOX Impuls - Ausbildung und arbeiten in der Pflege
Bereits zum dritten Mal haben wir gemeinsam mit dem Diakoniewerk und der Syncare Stiftung einen matchBOX-Impuls zum Thema „Ausbildung und Arbeiten in der Pflege“ veranstaltet. Karin Niedermayr hat wie immer wunderbar alle Ausbildungswege und Möglichkeiten erklärt. Ergänzend dazu haben zwei Role Models aus dem Pflegebereich spannende Einblicke in die Praxis gegeben.
Es hat uns sehr gefreut, dass wir unsere neuen Räumlichkeiten mit vielen interessierten Damen beleben konnten und dass wir für manche den Weg in eine neue berufliche Richtung ebnen durften.
HUES OF HOME - Eine Reise ins Ungreifbare
Ich kenne einen Seefahrer, der hat in seinem Hosensack immer eine Kastanie von zuhause eingesteckt. Manchmal, wenn er Heimweh hat, holt er sie heraus, und knetet sie in seiner Handfläche. Der Druck, den er damit erzeugt, lindert den Druck, der auf seinem Herzen lastet. Er sagte zu mir: „Wer niemals von zuhause weg war, weiß nicht, was Heimat ist, und braucht es auch nicht zu wissen.“
Mit diesem Satz in der Hand sind wir aufgebrochen, die Fotografin Siegrid Cain und ich, auf eine analoge Reise ins Ungreifbare. Das Zwischenergebnis heißt HUES OF HOME, eine Ausstellung, die am 5. März in den neuen Räumen von fairMATCHING eröffnet wurde. Danke Yoko für deine wunderbare musikalische Begleitung der Vernissage!
Das Projekt als Reise
„HUES OF HOME erkundet die feinen Nuancen des Ankommens, Sich-Geborgen-Fühlens. Schattierungen. Farbtöne. Jenseits des Sagbaren." Mit diesem Satz im Kopf starteten wir Anfang Jänner ins Unbekannte.
Wir wussten erstens nur, dass wir uns mit Menschen auf eine Spurensuche begeben wollten, spielerisch, ausprobierend darüber nachdenken, wie dieses Ankommen aussieht bzw hergestellt werden kann. Wir wollten mit Menschen arbeiten, für die Heimat aufgrund ihrer Kultur, ihrer Hautfarbe, ihrer Sozialisation, ihrer Lebensgeschichte oder ihrer Geschlechtsidentität etwas Fragiles und nicht Selbstverständliches ist.
Und zweitens, um diesen Moment der Unsicherheit zu verstärken und in dieser Beschränkung unsere Kreativität zu fördern, dass es sich um ein analoges Fotoprojekt handeln wird. Danke an dieser Stelle auch LEICA, die dieses Projekt unterstützt haben. Diese Ausstellung hat hier ihre Basis und wird dann – wahrscheinlich in etwas anderer Konstellation - in die LEICA Galerie weiterwandern.
Doch zurück zum Start. Als wir von einer Geschichte in die andere purzelten. Überwältigt vom Vertrauen und dem Tiefgang, und dem Ernst und dem Lachen, das uns begleitete? Dabei wussten wir so wenig. Wir wussten nicht, was wir fotografisch genau festhalten wollten - Gesten, Details, Portraits, Landschaften, Gedanken, Situationen, Stimmungen, Begegnungen? – und wir wussten auch nicht genau, was das narrative Element in dieser Reise genau sein wird, abgesehen von den tiefen Gesprächen, die wir führten.
Was wir schnell merkten, war, dass unsere Einladung der gemeinsamen Suchbewegung eine unheimloiche Offenheit unserer Gegenüber bewirkte. Und wir merkten auch, dass sich mit jedem Gespräch das Projekt veränderte, der Fokus, das Thema. Dachten wir die Ausstellung anfangs noch eher biografisch, wurde sie mit jedem neuen Gespräch zunehmend flächiger. Die Bilder entwickelten ein Eigenleben und begannen, miteinander zu sprechen. Über biografische Grenzen hinweg. Und dieses Flächige bestimmte am Ende auch die Kuratierung der Ausstellung. Ganz neue Bezugsqualitäten traten auf den Plan, ganz neue Brückenschläge und langsam kam auch ein Text zum Vorschein, der überall und nirgends einhakt.
Unser Dank gehört den wunderbaren Protagonist:innen, die uns ihre Geschichten erzählten – Azeez, Beth, Anna-Katharina, AC, Toulin, Berenike, Shapol, Mai, Siegfried, Yoko – zwischen Seattle und Kurdistan, Alexandria und Japan, Karelien und Laas, Nürnberg und Damaskus. Ihr wart großartig!
Die Bilder, die dabei entstanden sind, verweben sich auf eine Weise, wie wir es nicht hätten planen können. Schaut euch das an!
HUES OF HOME
Kästen, Rahmen, Grenzen
erzeugen den Anschein von Zugehörigkeit.
Aus der Ferne betrachtet, haben Häuser keine Nummern.
Wenn du mich festschreibst, höre ich auf zu sein.
Wir sind keine Maschinen. Wir sind auch keine
traumatisierten Unausweichlichkeiten.
Wir sind lebendige Landschaften, die sich überlagern.
Im Gegenüber nehmen die Bedeutungen Gestalt an.
Der Weg zum Gartenzaun ist wie ein Labyrinth.
Wer niemals von zuhause weg war, weiß nicht,
was Heimat ist und braucht es auch nicht zu wissen.
Ich erzähle mich aus der Distanz
und komme im Dazwischen zur Ruhe.
Wenn sich eine Tür schließt, öffnen sich zwei.
Wo beginnt meine Geschichte und wo endet deine?
Linien, Gesten, Blicke, Farben vernetzen sich zu neuen Geschichten.
Dein Ankommen und mein Aufbrechen geben sich die Hand.
Es braucht drei Haarsträhnen, um einen Zopf zu flechten.
Aber was braucht es, um sich daheim zu fühlen?
Mein Beitrag beginnt damit, dass ich mir erlaube, mich zu gestalten.
Wenn der Boden unter den Füßen aufhört zu schwanken,
werde ich angekommen sein.
Wieviel Welt kann ein Herz in sich tragen?
Und was können wir füreinander lernen?
Sie schlägt das Bild der Ferne auf wie eine Partitur.
Da ist immer ein Vogel in der Luft, der die Richtung ändert.
Die Linien, die er zeichnet, sind für die, die nicht fliegen können.
Jede Spur bedeutet Nähe,
auch wenn das Spurenschaffende längst über alle Berge ist.
Die Seele ist ständig in Bewegung.
Ankommen ist etwas anderes als zuhause sein.
Zeig mir den Ort, an dem ich meinen Hut aufhängen kann.
‼️Vernissage: Donnerstag, 5. März 2026 - 19 Uhr
In den neuen Räumen von @fair_matching
Schallmooser Hauptstraße 40, 5020 Salzburg
Partners in Crime: Leica Camera Ltd Austria , Stadt:Salzburg
Grafik: Nicola Lieser
Herzlichen Dank!
Shot on Kodak film 🎞️
Dev/scan: Garage Film Lab
DIE LETZTE BOTSCHAFTERIN – ein Film von Natalie Halla
Und wieder großes Kino gab es am 16. Oktober in unserer matchBOX. Diesmal sogar in Anwesenheit der Filmemacherin Natalie Halla. Ihre international erfolgreiche Dokumentation “DIE LETZTE BOTSCHAFTERIN” erzählt die unglaubliche Geschichte von Manizha BAKTHARI, Einer Diplomatin ohne Regierung.
Es ist nun etwas mehr als 4 Jahre her, dass die Taliban Kabul, die Hauptstadt Afghanistans eingenommen haben. Es war der 22. August 2021, und vielen von uns haben sich die Bilder vom Flughafen und den verzweifelt an Flugzeugen hängenden Menschen eingebrannt, die damals versucht haben, dem Horror zu entfliehen. Bilder die im konkurrierenden Bilderwahnsinn schnell wieder vergessen wurden.
Damals vor 4 Jahren begann auch die Reise der Dokumentarfilmerin Natalie HALLA, die sich nach einem ZIB-2-Interview spontan entschloss, mit der Botschafterin Kontakt aufzunehmen und – nach einem ersten, gegenseitigen Abtasten – den Weg von Manizha Bakthari zu dokumentieren. Ohne zu wissen, wohin sie die Reise führen und wie lange sie dauern wird – an der Seite dieser unglaublich mutigen Frau, die als Botschafterin damals von einem Tag auf den anderen plötzlich ohne offizielles Mandat dastand, als Aktivistin jedoch die innere Pflicht spürte, ihren Weg für die Menschen in Afghanistan unbeirrbar fortzusetzen. Das Ergebnis: Ein poetisches und ein politisches Zeitdokument.
Ein kleines aber sehr pikantes Detail am Rande: als der Film am 11. September dieses Jahres erstmals in Salzburg gezeigt wurde, traf sich Innenminister Karner zeitgleich mit einer talibanischen Delegation, um „Organisatorisches bei den Abschiebungen nach Afghanistan“ zu besprechen, wie er meinte. Der Aufschrei blieb auch diesmal aus. Terroristen als Logistikpartner? Offensichtlich für unseren Innenminister kein Problem.
Die Welt steht schon seit längerem Kopf. Und kaum jemand wundert sich noch, “was alles möglich ist.”
MOND von Kurwin Ayub im matchBOX Kino
Mit dem neuen Film von Kurwin Ayub MOND setzten wir am 12. Juni unsere matchBOX Kino-Reihe fort. Und waren bei sommerlichen Temperaturen überrascht über den Andrang. Trotz der dramatischen Ereignisse in Graz, nur wenige Tage zuvor, entschlossen wir uns den Film zu zeigen. Auch, um dem Unfassbaren etwas entgegenzusetzen, was in diesen Zeiten wesentlich ist: das Zusammenkommen und der Austausch auf Augenhöhe.
Dass Kurdwin Ayub zur Zeit wohl zu den spannendsten Regisseurinnen Österreichs gehört, hat sie parallel mit der Aufführung DIE WEISSE SPINNE bei den Wiener Festwochen 2025 untermauert.
Wie schon beim ebenfalls in der matchBOX gezeigten Film SONNE hat auch bei MOND das Publikum mit mehr Fragen hinterlassen als Antworten. Die Realität ist kompliziert, einfache Lösungen gibt es zumeist nicht. In ihrem neuesten, sehr naturalistischen und aufreibenden Film gelingt Kurdwin Ayub eine treffender Blick auf den WHITE-SAVOIR-KOMPLEX, indem Genre-Versatzstücke und Diskursebenen verwoben werden, um sie im nächsten Moment durch Hyper-Realität zu ersetzen. „Sarah“ – die Hauptfigur im Film, blendend gespielt von der Performance-Künstlerin Florentina Holzinger – „wird den Mädchen in Jordanien nicht helfen können. Und das müssen alle einsehen. Denn die Realität ist nicht romantisch. Leider“, so Kurdwin Ayub.
11. fairMATCHING Job Speeddating - wir brechen Rekorde
Bereits zum 11. Mal ging das fairMATCHING Job Speeddating über die Bühne! Dank unserer mittlerweile routinierten, ebenso flexiblen wie „open minded“ Unternehmenspartner:innen und vieler motivierter Bewerber:innen lief – trotz einer Rekordzahl an Anmeldungen – alles wunderbar reibungslos ab.
Die Idee ist seit neun Jahren die gleiche: Wir bringen Salzburger Unternehmen und arbeitssuchende Menschen mit Migrationshintergrund in entspannter Atmosphäre zusammen. Mit diesem niederschwelligen Format wollen wir Hürden und Hemmungen abbauen. Sowohl Unternehmen als auch Bewerber:innen werden im Vorfeld gebrieft, um die 10- bis 15-minütigen Gespräche möglichst effizient zu gestalten. Besonders schön ist es jedes Mal zu sehen, wenn die Gespräche so angeregt sind, dass sich potentielle Arbeitgeber:innen und Bewerber:innen kaum voneinander trennen möchten.
Mit 70 Anmeldungen auf der Bewerber:innenseite konnten wir in diesem Jahr einen neuen Rekord verzeichnen. Trotz aller Routine waren wir im Team im Vorfeld entsprechend aufgeregt. Doch die wunderbare Atmosphäre in der Lobby des JUFA Hotels Salzburg sowie die neun extrem offenen und sympathischen Unternehmensvertreter:innen – viele von ihnen waren bereits mehrfach dabei – sorgten für einen rundum gelungenen Ablauf. Jede:r Teilnehmende ging mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.
Und das Beste: Laut ersten Rückmeldungen wurden bereits einige Schnuppertage vereinbart und konkrete Jobangebote ausgesprochen. Wir begleiten selbstverständlich noch auf den letzten Metern – und vielleicht knacken wir mit unserem 11. Job Speeddating auch den bisherigen Vermittlungsrekord!
Charity Dinner 2025: Alles gleich. Alles anders.
Was für ein Verzaubernder Abend! Wir haben es wieder mal geschafft: 40 Menschen aus den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Politik und Soziales an einem virtuellen Tisch zu versammeln – auf Augenhöhe und ohne das Schickimicki, das normalerweise Charity Events begleitet. Im YAZZOON von Peter Yazan Sikarea, der zusammen mit seinem wunderbaren Team dem Abend seine ganz besondere Note gab.
Doch denkwürdig waren nicht nur der Raum und die Gäste, ein inspirierender Mix aus bekannten und neuen Gesichtern, langjährigen Partnern und Menschen, die wir begleiten durften, denkwürdig war auch der Umstand, dass wir heuer im Herbst unser 10-jähriges Jubiläum feiern, nicht als Skalierungsgeschichte, wie es sich viele Start-Up-Experten hinter ihren Schreibtischen ausgedacht hätten, sondern als eine permanentes Kreisen um das Wesentliche dessen, was man vielleicht “beflügelnde Interventionen” nennen könnte. Kein Wunder also, dass wir heute noch immer nicht mehr als ein Kernteam sind, eine Herzensmannschaft ohne bürokratischen Speckgürtel – ganz einfach, weil sich Wertschätzung und Augenhöhe nicht skalieren, sondern nur weitergeben lassen.
Doch zurück zu diesem ganz besonderen Abend. Peter Sikarea, den wir vor bald 10-Jahren begleiten – ist eigentlich zu viel gesagt – durften, bietet arabisch-mediterrane Crossover Cuisine vom Feinsten und ist heute eine der gefragtesten Adressen in der Stadt. Warum, ist einfach erklärt. Weil Erfolg immer ein Zusammenspiel ist, Dialog, der in der Küche beginnt, an der Bar zu sich kommt und im Service über sich hinausgeht. Das alles ist YAZZOON und das alles durften wir an diesem Abend verkosten und als Funkeln in den Augen aufnehmen und weitergeben. Wir sind jedenfalls stolz und dankbar dafür, dass wir auf seinem Weg am Anfang ein bisschen die Hände im Spiel hatten, genauso wie die Komplizen und Komplizinnen unter den Gästen – Stadträtin Anna Schiester, Petra Jedinger und Peter Gastberger vom SCALARIA Event Ressort, wo Peter Sikarea als Management-Trainee alle Gastro-Bereiche durchlaufen hat.
Das war sozusagen der Rahmen, den wir gesetzt haben. Dass dieser Rahmen von Musikern wie THOMAS ANDREAS BECK (Poet & Liedermacher), BERENIKE TÖLLE (Chello und Gesang) und DAVID ERA (Pop-Artist & und Produzent) mit behutsamen, musikalischen Impulsen in magische Schwingung versetzt wurde, konnte so nicht erwartet, sondern nur geträumt werden. Geträumt war dann auch noch der Bonus-Track von LUNA AL-MOUSLI, die als DJ in Absence eine Playlist schickte, die sie den Frauen aus der SWAMA Region widmete und den Bogen aus 1001 Nacht hintergründig und beinahe unbemerkt noch einmal weit aufspannte.
Sie sehen: Auch an diesem Abend blieb kein Stein auf dem anderen. So kommt der Titel nicht von ungefähr. 10 Jahre sind nicht länger als ein Wimpernschlag, wenn man seinem Herzen folgt. Nobelpreisträger Anton Zeilinger hat einmal den denkwürdigen Satz geprägt: “Erfolgreich ist, wer Dinge verfolgt.” Uns geht es auch ohne Nobelpreis ähnlich. Wir haben uns als Innovationszelle, als kreative Umsetzer und als stachelige Diskurstreiber in diesen 10 Jahren einen Namen gemacht. Wir haben mit der matchBOX unserem Blick über den Tellerand einen Namen und einen Ort gegeben, haben partizipative Ballons steigen lassen und die Fetzen am Boden zusammengeklaubt. Wir haben große Erfolgsgeschichten begleitet und sind nicht müde geworden, die kleinen Erfolge zu feiern. Weil es auf einer Lebensreise oft nur minimale Verschiebungen sind, die darüber entscheiden, ob ein Zug nach Paris fährt oder nach London.
Aber hat das überhaupt alles noch einen Sinn?
Jetzt, wo Assad in Syrien gestürzt ist? In meinen Einladungen zum Charity Dinner habe ich immer wieder damit begonnen, dass ich gesagt habe: Ja, es gibt uns noch! Und es ist wichtiger denn je, dass es uns noch gibt. Auch, weil es für Menschen mit Migrationshintergrund nicht leichter wird, hier in Österreich Fuß zu fassen. Die Stimmung ist von der rechten Hetze unterminiert. Das hat auch der Sturz Bashar Al-Assads gezeigt. Ein historisches Ereignis, mit dem niemand wirklich rechnen konnte. Und als die Menschen aus Syrien hier in dieser Nacht auf die Straße gingen und feierten, schreibt der gefährliche Kleingeist, der sich den Volkskanzler einbildet: „Die Messerfachkräfte gehören abgeschoben". Und der Innenminister weiß nichts Besseres zu tun, als ihm das Pferd zu satteln, indem er zwei Tage später beginnt, Abschiebungslisten zu erstellen. Derweil Israel vorsorglich mehr als 300 Bomben auf syrischem Gebiet abwirft.
Ich denke, Menschlichkeit zeigt sich in solchen historischen Momenten auch daran, dass man einfach mal den Mund hält. Und aufhört, reflexhaft seine Vorurteile heurnterzuladen und sich den zweiten Blick zutraut. Fragen stellt. Zuhört. Aber das ist in der Politik leider sehr selten geworden.
Keine Angst, ich höre schon auf. Ich möchte nur noch eine kleine Episode teilen. Ich habe vor ein paar Tagen mit unserem Freund OMAR KHIR ALANAM gesprochen. Auch, um ihn um seine Einschätzung zur Lage in Syrien zu bitten. Ich weiß, dass er im Dezember in Damaskus war – bei seinen Eltern, das erste Mal seit 10 Jahren. Ich weiß aber auch, dass seine Sicht eine andere ist, wie die eines Kurden aus dem Norden von Syrien. „Ich habe immer gesagt, ich war in Damaskus“, sagt Omar jenen, die ihn fragten, „weil in Syrien war ich nicht.“ Wir werden unterbrochen, und verschieben das weitere Gespräch. Zwei Tage später schickt mir Omar ein Nachtgedicht, weil er nicht schlafen konnte. Wir reden am nächsten Tag. Auch darüber, wie nahe und unentwirrbar alles ist – die Trauer, die Wut, der Zweifel und die Hoffnung.
Das Nachtgedicht von Omar habe ich an diesem Abend gelesen. Und es war wichtig, dass ich es gelesen habe. Weil wir nicht besser lachen, wenn wir die Augen zumachen. Weil ein Lachen in dieser Welt immer ein Lachen ist trotz alledem.
Ein großes Danke an SIEGRID CAIN für die wunderbaren Bilder. Und – last but not least: Danke Katrin Gerschpacher und Silke Stadelmann für eure Energie, euren Humor, eure Professionalität und eure Menschlichkeit – ohne euch gäbe es fairMATCHING nicht.
PS: Das letzte Foto gehört einem unserer Gäste, Hans Berndl, der die feenhafte Fotografin, die bestenfalls unsichtbar bleibt, auf Pixel-Zelluloid gebannt hat. Danke! Siegrid, wir hoffen, du hast nichts dagegen ;-)
COP & CHE: Was haben wir gegen Extremismus in der Hand?
Edith Meinhart - die mehrfach für ihre Sozialreportagen ausgezeichnete Profil-Journalistin und Autorin des gleichnamigen Buches - erzählte am 20. Februar von ihrer Begegnung mit Ahmad Mitaev und ihrer gemeinsamen Reise. Bei uns in der matchBOX.
“Wie ein Tschetschene und ein Polizist zu TikTok-Stars wurden” heisst die Tagline des Buches und sie verschweigt eigentlich fast alles. Denn das Buch ist wie eine Reise, die um das Leben von Ahmad Mitaev kreist und dabei möglichst viele Dimensionen der Wahrheit erfassen will. Kein Wunder, dass Edith Meinhart das wunderbare Motto von Fernando Pessoa an ihren Anfang stellt: “Um groß zu sein, sei ganz. Entselle und verleugne nichts, was dein ist. Sei ganz in jedem Ding.”
Und so machten wir uns – wenige Tage nach dem tragischen Anschlag in Villach – gemeinsam auf den Weg, um hinter den aktionistischen Verallgemeinerungen, die naturgemäß zu kurz greifen müssen, die Grauzonen der Differenz zu erkunden. Und gingen gemeinsam dorthin, wo die Geschichten warten. Die Menschen mit ihren Erfahrungen, ihren Ängsten, ihren Sorgen, ihren Enttäuschungen und ihrer Sehnsucht dazuzugehören und gesehen zu werden.
1999 – 2015 – 2020 – 2022 – 2025
Und aus diesem Weg wurde eine Reise auf vielen Ebenen. Vom tschetschenischen Grosny, wo Ahmad 1999 auf die Welt kommt, bis nach Wien, vom traumatisierenden Tod seines Onkels bis zum Aufbruch an die IS-Front, vom Kind mit dem Bärenpulli bis zum jungen Mann, der anderen einen Colt an die Stirn setzt, vom gedemütigten Schüler bis zum Gangführer, vom blinden Aufbegehren bis zur durchwachten Nacht mit dem Vater, vom Wut-dominierten Straffälligen bis zum Aufklärer und Vermittler, der mit viel Geduld, Schmäh und Eloquenz die Fragen von Jugendlichen beantwortet, die Orientierung brauchen.
Mittlerweile sind Ahmad und Uwe als COP & CHE TikTok-Helden mit Millionen von Zugriffen. Auch, weil sie in keine bereitgestellte Schublade passen und Respekt vorleben, indem sie billige Schuldzuweisungen hinter sich lassen und die Meinung des anderen respektieren, auch wenn sie nicht deckungsgleich ist. Und damit einen Raum öffnen, in dem Reflexion möglich ist.
Danke Edith Meinhart für dieses Buch. Und danke auch für deine Präsenz, deine Neugier und deine Geduld!