Istanbul war eine Reise wert

Anfang Mai trafen wir im Rahmen des FIER-EU-Projekts in Istanbul unsere europäischen Partner. In einer Stadt an der Grenze von Europa und Asien. In einem politisch brisanten Land, das mit Syrien eine gemeinsame Grenze von 900 Kilometern teilt und das jenes Land auf der Welt ist, in dem mit 3,7 Mio Menschen am meisten Flüchtlinge leben. Ein Land, in dem wir mit YUVA einen Partner haben, der als NGO großartige Arbeit leistet.

Beim Hinflug lasse ich die Jahre mit fairMATCHING Revue passieren. Vom Herbst 2015, als wir uns formten – als kleine Zelle mitten in der Zivilgesellschaft, die auf den Willkommenshype mit konkreter Integrationsarbeit antwortet. 2016, als wir den Sprung ins kalte Wasser wagten – mit dem Ansatz, aus der konkreten Praxis heraus neue Formate und Lösungsansätze für die Begleitung von geflüchteten Menschen in Richtung Arbeitsmarkt zu entwickeln. 2017, das Jahr der Professionalisierung. 2018 – das Jahr der ersten großen Kooperationen (mit Unternehmen und Institutionen wie AMS, Land Salzburg und HIL Foundation). 2019 – das Jahr der Bestätigung und mit FIER auch das Jahr des Aufbruchs in Richtung neue Horizonte. Das Flugzeug landet am monströsen Flughafen in Istanbul und während wir 40 Minuten im dichten Netz der Landebahnen dahinstottern, damit uns die Zeit wieder einholen kann, begleitet mich die Frage, wie der nächste Schritt in unserer Arbeit mit geflüchteten Menschen wohl aussehen wird. Denn dass es einen nächsten Schritt geben muss, ist mir in diesem regenverhangenen Moment sonnenklar – weil wir uns verändern müssen, um in diesen turbulenten Zeiten auch nur halbwegs die gleichen zu bleiben. Endlich ist die Maschine zum Stillstand gekommen. Merhaba Istanbul.

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Was FIER für uns bedeutet? Dass wir jetzt europäische Luft atmen dürfen. Das ist gerade in Zeiten wie diesen so wichtig wie nie zuvor. Weil es heute darum geht, sich auszutauschen, zu lernen und grenzüberschreitend gemeinsam zu wachsen – und dabei immer wieder neue Wege zu versuchen. Das heißt, nicht Altbekanntes einfach wiederholen, weil es eine Förderung gibt, sondern diese Förderung zum Anlass nehmen, neue Formate und neue Ansätze auszuprobieren. Und dabei nicht auszublenden, dass es neben der FAST-TRACK-INTEGRATION (FIER) auch eine SLOW-TRACK-INTEGRATION (SIER) geben muss, wenn unser Tun nachhaltig sein soll. Diese Stimmenm tauchen immer wieder auf.

Istanbul war jedenfalls eine Reise wert. Die Vibrations unter den FIER-Partnern waren großartig und der Erfahrungsaustausch für alle enorm wichtig. Besonders in Erinnerung bleiben für mich der Studienbesuch in der „Women to Women Refugee Kitchen“ in einem Stadtteil von Istanbul, der von unserem türkischen Partner YUVA organisiert wurde, und das Support Group Network in Schweden, das wir durch seinen Gründer Adnan Abdul Ghani, der selbst aus Syrien geflohen ist, kennenlernen durften. Zwei Grass-Roots-Projekte, die in einer geheimnisvollen Art und Weise miteinander in Dialog stehen, geht es doch beiden im emphatischen Sinn um EMPOWERMENT und die Herausbildung von sich selbst organisierenden Strukturen.

Das könnte auch für uns ein Hinweis sein, der es wert ist, weiterverfolgt zu werden. Weil Arbeitsvermittlung nur dann nachhaltig ist, wenn sie Integration und Selbstermächtigung vorantreibt. Vor diesem Hintergrund könnte sich fairMATCHING 2.0 um die Re-Fokussierung und Zuspitzung unseres ganzheitlichen Zugangs drehen. Dass wir am Ende wieder dort stehen, wo wir 2016 angefangen haben. Als Pseudosozialarbeiter, die ohne Scheuklappen die Herausforderungen ernst nehmen, die auf uns warten.

Einen Arbeitstitel haben wir schon. Mehr dazu nach dem Sommer.

Wenn der Funke überspringt ...

Unsere Veranstaltung „Frauen Mut Machen“ wurde im März und April 2019 an vier verschiedenen Ort im Land Salzburg durchgeführt.

Für alle Veranstaltungen konnten jeweils zwei “Mutmacherinnen” mit sehr unterschiedlichen sozialen und beruflichen Hintergründen gewonnen werden, die ihre Integrationsgeschichten in den Arbeitsmarkt sehr persönlich und ohne Blatt vor dem Mund erzählten. Auch, was Rückschläge, Hürden und Enttäuschungen angeht. Die teilnehmenden Beratungsstellen informierten im Rahmenprogramm über Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung, die Anforderungen des Arbeitsmarktes, Fragen zur Entlohnung und die Kinderbetreuung in der Stadt Salzburg und Salzburg Land.

Erstes Resümee nach den Veranstaltungen

Ziel dieser Veranstaltungen war es, Frauen die Augen zu öffnen für mögliche Berufswege, sie zu motivieren und sie in ihrem Bestreben zu stärken, einen ersten Schritt in Richtung Arbeitswelt zu machen. Dabei prägend waren die Mutmacherinnen mit ihren sehr emotionalen Geschichten diese Veranstaltungen, sodass der nachfolgende Austausch mit unseren Mutmacherinnen, den Beraterinnen aber auch unter den Teilnehmerinnen in einer sehr entspannten Atmosphäre stattfinden konnte.

Auch Subziel konnte erreicht werden

Aus den 41 teilnehmenden Frauen konnten von fairMATCHING in einer ersten Runde 9 Frauen identifiziert werden, mit denen eine tiefergehende Zusammenarbeit zum jetzigen Zeitpunkt Sinn macht.

Besonders erfreulich sind auch konkrete Vernetzungsergebnisse mit den FIER Partnern aus dem Land Salzburg. Hervorzuheben ist dabei die Geschichte von Akil ALHAMAM, der nun dank des Angebots vom Diakoniewerk die Ausbildung zum Behindertenbetreuer macht.

Frauen Mut Machen 2019

Es hat sich ja schon herumgesprochen: Nicht nur fairMATCHING geht weiter und über sich hinaus, auch unser Projekt “FRAUEN MUT MACHEN”, das wir 2018 gestartet haben, geht 2019 in die nächste Runde – und das gleich als Teil des FIER-EU-projects, dh mit viel europäischem Rückenwind.

Was ist neu dieses Jahr? Dass wir mit Zell am See dieses Jahr auch den PINZGAU als wichtiges Einzugsgebiet abdecken – mit einem überproportional hohen Frauenanteil bei Arbeit suchenden Menschen mit Fluchthintergrund von 44%.

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Und dass wir, wie schon gesagt, mit FIER nicht nur unter einer neuen Flagge segeln, sondern in diesem Boot auch mit engagierten Partnern wie Caritas, Frau und Arbeit, Diakoniewerk, Lungauerinnen für Menschen und dem Lungauer Frauen Netzwerk sitzen. “Was wir teilen, ist ein Zugang auf Augenhöhe zu unseren Zielgruppen”, wie es auf der Webseite von unserem JOURNEY INTEGRAL heißt, die gestern LIVE ging. “Ein Zugang, der von Respekt, Selbstbefähigung und Selbstverantwortung getragen wird. Wir sind keine Theoretiker der Integration, sondern sehen uns in der Praxis verankert – als “reflektierende Oberflächen”, die jeden Tag mit den Herausforderungen im Feld wachsen.”

Und - last but not least - als besonderer Anreiz für interessierte Frauen auf dem Weg in die Arbeitswelt: Wir werden es auch dieses Jahr nicht bei der bloßen Durchführung der Events belassen, sondern 7 bis 10 Frauen sehr konkret in Richtung Arbeitsaufnahme weiterbegleiten.

Was Sie sich erwarten dürfen?

Im Zentrum der Frauencafés stehen mit unseren „Mutmacherinnen“ wieder erfolgreich vermittelte Frauen aus unserem Netzwerk, die über ihre Erfahrungen erzählen und in angenehmer und gemütlicher Atmosphäre auf sehr lebensnahe Weise Perspektiven aufzeigen und Fragen beantworten. Begleitet werden diese Erzählungen durch die Präsentation von Salzburger Initiativen, Beratungs- und Bildungseinrichtungen – AMS, Forum Familie, divinco, Frau und Arbeit, Kokon, Verein Viele, IKU Hallein, ÖIF, Gastein hilft, u.a.. –, die auf vielfältige Weise geflüchtete Menschen auf ihrem Weg in den österreichischen Arbeitsmarkt begleiten und wichtige Informationen über die Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung, die Anforderungen des Arbeitsmarktes und die Kinderbetreuung in Österreich/Salzburg bereitstellen.

Die Termine sind JEDENFALLS fixiert:

Am Donnerstag, den 7.3. um 14:00 Uhr im Pfarrsaal von BISCHOFSHOFEN
Am Mittwoch, den 20.3. um 14:00 Uhr im Hilfswerk Familien & Sozialzentrum HALLEIN
Am Montag, den 1.4. um 14:30 Uhr im Hilfswerk Schüttdorf in ZELL AM SEE
Und am Samstag, den 13.4. um 9:00 Uhr im ABZ Itzling in SALZBURG

Sagen Sie es weiter!

"Von wo ich mich sehe" – eine Ausstellung geht auf Reisen

Geträumt haben wir davon, als wir die Ausstellung, meisterlich Fotografiert von Enrique Pasquali, für das Charity Dinner im Dezember konzipierten. Dass das nun so schnell und beinahe ohne Energieverlust mit einer Wanderausstellung Realität wird, ist der Hammer. Die erste Station heißt boulderbar Salzburg und weitere Locations stehen in der Pipeline.

Was war es? Was ist es? Eine Ausstellung? Oder doch vielmehr ein Erzählprojekt, mit dem wir Brücken schlagen wollen zwischen Heimat und Flucht?

Wir ahnten, dass es eine Gratwanderung wird, wenn wir Menschen, mit denen wir ein Stück Weg gemeinsam gegangen sind, zum Foto-Shooting und damit auf die Bühne bitten – und wir mit ihnen gemeinsam den Raum durchmessen, von dem aus sie sich sehen und gesehen werden wollen. Kein rigides Fragenkorsett. Stattdessen Präsenz und Dialog und Augenhöhe, um das auszudrücken, was mitunter schwer in Bilder und Worte zu fassen ist.

Es ist uns irgendwie gelungen. Weil wir uns Zeit nahmen. Für jede/n Einzelne/n. Weil wir in den Dialog gingen. Neugierig. Behutsam. Schritte versuchten. Über die Tretminen der Traumatisierung hinweg. Reaktionen spürten. Erschütterungen. Weiterverhandelten um den Weg. Sätze ausloteten. Worte auf die Waagschale legten. Und von allen Seiten anschauten. Und immer wieder miteinander lachten. Trotzdem lachten. Vertrauen schenkten. In beide Richtungen. Dankbar waren. Für die Nähe über die Ferne hinweg. Es ist uns irgendwie gelungen. Die Reaktionen der Betrachter_innen legen es nahe. Das Ergebnis sind Sätze und Bilder, die Geschichten andeuten, die im Auge und Herzen der Betrachterin weitererzählt werden. Gänsehaut ist garantiert.

Schaut euch das an!

Ein denkwürdiger Abend

50 hochkarätige und engagierte Personen aus Wirtschaft, Politik und Kultur wollten wir an diesem Abend an einem langen Tisch versammeln. Das war unser Ziel. Am Ende sind es zwei Tische geworden in einer feinfühlig inszenierten Black-Box, die eine wunderbar illustre Tischgesellschaft gleichzeitig illuminierte und über sich hinauswachsen ließ. Und ein Abend, an dem die Gänsehaut unser ständiger Begleiter war.

Oft sind es die Projekte, die einem zustoßen, die man besonders ins Herz schließt. Und oft sind es die Menschen, mit denen man nicht gerechnet hat, die für unvergessliche Momente sorgen. Mit dem, was da letztendlich am 11.12. in der ARGE Kultur über die Bühne ging, durfte niemand rechnen. Erträumt haben wir es uns schon.

Der Filmemacher Chris Marker erzählt in ‘Sans Soleil’ (1983) von einer chinesischen Prinzessin, die es liebte, Listen von Dingen zu erstellen, die ihr wichtig waren. Bis sie einmal die Liste der Dinge erfand, die ihr Herz schneller schlagen lassen. Besser könnte ein Motto für diesen Abend nicht gewählt werden, der in geheimnisvoller Art und Weise unsere Vision widerspiegelte: Dass nämlich in allem, was wir tun, der Geist von fairMATCHING erlebbar wird.

Am Ende konnte sich kaum wer in diesem Raum entscheiden, wo dieser Abend seinen Höhepunkt hatte – in der von Enrique Pasquali behutsam fotografierten Ausstellung der Menschen, die wir begleiten durften, in den lyrisch-verspielten Balladen von David Lageder und Camillo-Mainque Jenny des ‘Duo Grande’, in der Lesung unseres syrischen Freundes und Bestsellerautors Omar Khir Alanam, der das gesamte Emotionsregister bediente oder in den flankierenden Gesprächen auf Augenhöhe, die ihr eigenes Gravitationszentrum schufen und diesen Abend für uns und unsere Gäste unvergesslich machten.

Gespräche, die zeigten, dass jenseits von Populismus und Angstmache immer noch Zellbildungen möglich sind, in denen Menschen neugierig und offen auf die Herausforderungen unserer Zeit zugehen. Es lag gleichsam in der Luft, wie inspirierend und beflügelnd Vielfalt sein kann – Individualität, die sich gegen die Etikettierungen stemmt und uns aus der Umklammerung einer singulären und damit immer verkürzenden Geschichte befreit, die andere über uns erzählen. Als erwünschte Nebenwirkung wurde vielen von uns an diesem Abend wieder bewusst, wie nahe Flucht und Heimat beieinander liegen. Heimat ein Quasi-Ort, “ein schmaler Landstrich, der durch die Kindheit und durch die Herzen führt,” wie Christoph Ransmayr es formulierte: “Jenseits davon ist jeder fremd, ist jeder Ausländer oder Flüchtling und auf Hilfe und Beistand von Eingeborenen angewiesen.“

Unser Dank gilt allen Botschaftern, Mitstreitern, Freunden, Komplizen, Partnern und Sponsoren von fairMATCHING. Wir sind auf Ihre Unterstützung angewiesen – mehr denn je! Dass durch dieses Charity Dinner mehr als 10.000 EURO direkt in unsere Arbeit fließen - dh nach Abzug unserer Kosten –, ist eine Randnotiz, die in die Mitte drängt.

fairMATCHING in der Wochenschau

Am 1.11. war es soweit. Als Gründer und Obamnn von fairMATCHING war ich Gast in der neuen Wochenschau von Romy Sigl und Romana Hasenöhrl, einem sehr inspirierenden LIVE-Format, das in Zukunft jeden Freitag um 12 Uhr Mittags als Facebook-Livestream aus dem Coworking Space Salzburg gesendet werden soll.

Es war spannend und sehr unterhaltsam. Ein großes Danke an die wunderbare Romy für ihre Dialogführung und den Platz, den du unserer Arbeit gegeben hast. Ich weiß, ich habe die Zeit brutal überschritten, aber bei diesem Thema und bei dem Platz, den rechte Propaganda jeden Tag bekommt, sollte das erlaubt sein. Weil es dabei nicht nur um die anderen geht, sondern letztendlich auch um uns und ob wir uns morgen noch vor den Spiegel wagen.

4 Anmerkungen dazu: 1) Das Gespräch mit mir startet mit Minute 4:36 und endet bei 23:50.
2) Das “gangart-Lesebuch für die stille Zeit” erscheint am 22. November und wird direkt über ALMBLITZ aber auch auf amazon erhältlich sein. 3) Anfragen bezüglich Partner- oder Komplizenschaften, wie ich es im Gespräch nenne, bitte direkt an: info@fairmatching.com.
4) Die Qualität des Videos ergibt sich durch das Live-Stream-Format. Wen sie stört, möge bitte diesem LINK folgen und das Gespräch direkt auf Facebook in deutlich besserer Qualität verfolgen.

Und jetzt viel Spaß bei der Wochenschau!

Heimat ist nur ein schmaler Landstrich, der durch die Kindheit und die Herzen führt. Jenseits davon ist jeder fremd, ist jeder Ausländer oder Flüchtling und auf Hilfe und Beistand von Eingeborenen angewiesen.

Christoph Ransmayr

Job Speed Dating 2019

Ein paar Wochen sind nun schon seit unserem 2. Job Speed Dating am Stadtwerke Areal vergangen. Der Grund warum wir erst jetzt ausführlich darüber berichten ist ein erfreulicher: die positiven Effekte, die das Job Speed Dating ausgelöst hat, haben uns ziemlich eingespannt!

Schon im letzten Jahr waren wir uns einig, dass das Speed Dating Format im Volksgarten sehr erfolgreich war – nicht nur, weil immerhin 4 Menschen direkt vermittelt werden konnten, sondern auch, weil neue wertvolle Unternehmenskontakte aufgebaut wurden und durch das mit der Veranstaltung verbundene mediale Rauschen die „Welt“ ein Stück mehr sensibilisiert und damit die Akzeptanz für unsere Arbeit erhöht werden konnte.

Und dieses Jahr? Es war überragend! Die Reichweite der positiven Effekte hat unsere Erwartungen übertroffen: Dank medialer Unterstützung haben sich mehr als 10 Unternehmen – großteils aus eigenem Antrieb – im Vorfeld bei uns gemeldet, um teilzunehmen (im letzten Jahr wurden alle Unternehmen von uns kontaktiert!) Firmen wie Spar, Raschhofer, Salzburg AG, Ziegler Schallschutz, boulderbar Salzburg, Schlosserei Guggenthal, Manpower, Götz Gebäudemanagement, Findologic und die dts-Tankstellen bereicherten das Job-Speed-Dating, das im ORF Beitrag als Job-Speed-Meeting angekündigt wurde – ein Begriff, über den wir nachdenken werden, weil er das interaktive Moment noch mehr betont.

Und die Bewerberseite? Mit mehr als 30 TeilnehmerInnen auf Bewerberseite waren auch hier die Voraussetzungen ideal. Schon während den Gesprächen hat man gespürt, wie bei manchen „Dating-Partnern“ der Funke sofort übergesprungen ist. Das führte zu extrem guten Vibrations und dazu, dass jede/r Teilnehmer/in die Veranstaltung mit einem Lächeln verlassen hat.

Und weil es unsere Mission ist, die Bewerber vor allem auch „auf den letzten Metern“ vor einer Anstellung intensiv zu begleiten und zu unterstützen, brachte der Erfolg dieses Nachmittags mit sich, dass wir seither beinahe übergangslos beschäftigt waren. :)

Das Beste daran: Dieser Erfolg gilt nicht nur der Veranstaltung, sondern auch der Arbeit, die wir im letzten Jahr geleistet haben. Das wurde von allen Teilnehmenden bestätigt. Und das gibt uns in diesen wenig rosigen Zeiten, was die Rahmenbedingungen für unser Tun angeht, den Optimismus, den wir brauchen. Danke! An Alle! 

Frauen Mut machen!

Im Juli gingen unsere ersten Frauencafes in Salzburg, Hallein und BIschofshofen über die Bühne. Das Ziel: GEFLüchteten Frauen Wege zu mehr Selbstbestimmung zeigen und fundierte Informationen zu Arbeit, Weiterbildung und Kinderbetreuung bieten. Im Zentrum standen dabei DIE Mutmacherinnen aus unserem Netzwerk, die ihre Geschichten erzählten und viele brennenende Fragen beantworten konnten.

Es freut uns, dass unserer Einladung auch wichtige Partner gefolgt sind und den Austausch bereicherten: neben dem AMS als wichtiger Projekt- und Förderpartner, das IKU Büro für interkulturelles Zusammenleben Hallein, das Forum Familie Tennengau, Frau & Arbeit, der Verein Viele und das Caritas-Projekt Divinco.

„Die Sprache ist der Schlüssel, zu Kontakten, Ausbildung und Arbeit!“, betonte Ruzica Milicevic, die selbst in den 90er Jahren aus Bosnien geflüchtet und heute eine Vorzeigestaatsbürgerin Österreichs ist. Sie wurde im April dieses Jahres mit der Verdienstmedaille des Landes OÖ ausgezeichnet! Roshanak aus dem Iran erzählte von ihrer Flucht aus einem System, in dem sie zwar ein gutes Leben hatte, aber nichts selbst bestimmen durfte. Liljana aus Bosnien erinnerte sich an ihre Verzweiflung, als ihr Chef sie in dem Gasthaus, in dem sie arbeitete, in den Keller schickte, um "Erdäpfel" zu holen und sie dort im Dunkeln weder Erde fand noch Äpfel.

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Unsere Mutmacherinnen in Aktion

Ihre Erzählungen wurden von den anwesenden Frauen regelrecht aufgesaugt

Es gibt viele Kleinigkeiten, die wir Österreicherinnen und Österreicher bei der Kommunikation mit Menschen aus anderen Ländern beachten können. So würde es beispielsweise schon sehr helfen, wenn wir weniger schnell und nicht so extrem im Dialekt sprechen würden. Auch das Kopftuch als Chancentod in Vorstellungsgesprächen war bei allen drei Events ein großes Thema. Sunaari aus Somalia hat sich zu helfen gewusst. Sie schickte ihren Lebenslauf mit einem Foto ohne Kopftuch  und wurde daraufhin zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Als sie in diesem Gespräch mit ihrem zukünftigen Vorgesetzten betonte, dass ihr Glaube es ihr vorschreibt, die Haare zu bedecken, haben sie sich gemeinsam auf Lösungssuche gemacht. Der Kompromiss war eine Beanie. Es ist immer wieder bedenklich, von der Diskriminierung aufgrund eines Stückchens Stoff zu hören. Die brennende Frage dahinter: Wer unterdrückt die Frauen mehr, ein Glaubensgebot oder eine Gesellschaft, die die Frauen aufgrund eines Accessoires in eine Schublade steckt?

Alles in allem haben wir viele spannende und interessierte Frauen kennengelernt und es hat allen sichtlich gut getan, auf Gleichgesinnte zu treffen und sich über Probleme und mögliche Lösungen auszutauschen. Unsere Mutmacherinnen und die Vertreterinnen der Initiativen und Einrichtungen beantworteten Fragen der geflüchteten Frauen zum Thema Arbeit, Weiterbildung und Kinderbetreuung im großen und kleinen Kreis.

Vieles scheint in Österreich sehr kompliziert geregelt zu sein und wenn frau die Informationen auch noch in einer Sprache bekommt, die gerade erworben wird, scheint vieles noch schwieriger. Da ist es gut zu wissen, wo man hingehen kann! Uns war es jedenfalls ein großes Vergnügen, ein wenig Klarheit schaffen zu können. Herzlichen Dank an alle Beteiligten.

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Komplizenschaften

Wer auf unsere Webseite und dort auf Partner geht, der wird über folgende Erklärung stolpern: "Es gibt mehrere Möglichkeiten, aktiv zur werden. Unsere Partner sind Privatpersonen und Unternehmen, die unsere Arbeit unterstützen, indem Sie 1) Arbeit Suchende aufnehmen bzw. weiterbilden, 2) uns finanziell unter die Arme greifen oder 3) Lobbying in unsere Sache betreiben."

Diese drei Säulen unserer Partnerschaften sind in Zeiten wie heute, wenn eine geschichtsblinde und gewissenlose Politik es als ihre Aufgabe sieht, jeden Tag Angst, Neid und Ausgrenzung zu säen, anstatt Rahmenbedingungen für ein menschliches und zukunftsweisendes Miteinander zu schaffen, wichtiger denn je. In solchen Zeiten geben uns die Zeichen aus der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft die Gewissheit, dass wir nicht alleine und die vielen Hürden, die wir in unserer Arbeit jeden Tag erleben, keine uneinnehmbaren Windmühlen sind. Es sind Partner, die zu Komplizen werden – in Zeiten wie diesen.

Wir spüren, dass aufgeschlossen Unternehmen in diesem Land sich nicht länger vor den Wagen einer kleingeistigen und niederträchtigen Politik spannen lassen. Und wir spüren auch, dass es bei der Frage "Ausbildung oder Abschiebung" ums Ganze geht, weil damit plötzlich einzelne Menschen mit ihren Schicksalen ins Blickfeld rücken, die sich nicht mehr einfach mit populistischer Propaganda verdrängen und abschieben lassen.

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Als ich letzte Woche Buchhaltung machte für fairMATCHING - ja, auch das muss sein - bin ich über eine Zeile gestolpert, die mich ganz durcheinander gebracht hat. Eine Spende von oben am Berg, von Patrick und Mikela, den Hüttenwirten auf der wunderbaren GjaidALM, die von Anfang an unsere Sache verfolgt und uns unterstützt haben. Die Tränen, die ich in den Augen hatte, sind gar nicht so leicht zu erklären. Es sind Tränen des Mitgefühls mit denen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, Tränen der Wut gegen die da oben, denen ihr Zynismus keine Atemnot bereitet, und Tränen der Dankbarkeit, dass es auch Menschen wie euch gibt, die einfach so, aus heiterem Himmel, ein Spende an uns abschicken und im Betreff folgenden Zettel dazuheften: "Danke für Euren Einsatz!"

Manchmal frage ich mich, warum wir das tun. Und manchmal frage ich mich nicht. Patrick und Mikela, Ihr habt für so einen Moment gesorgt: Danke!

Traumjob an der Tankstelle

Naser Eshaqhzahi hat einen Namen, den man sich merkt, aber nicht aussprechen kann, dachte ich zunächst, bis mich Naser aufklärte und mir sagte, dass man ohnehin "Esak" sagt.

Ich war irgendwie erleichtert und wir begannen unser Erstgespräch, das wir im Fachterminus auch "Profiling" nennen, was natürlich viel professioneller klingt, aber darüber hinwegtäuscht, dass so ein Erstgespräch im besten Fall ein Gespräch auf Augenhöhe ist, durch das man/frau sich ein Bild vom Gegenüber machen kann. Wir vom Menschen, der zu uns kommt, und der Mensch von uns, die wir ihn begleiten. Eine Bildgebung also, die in beide Richtungen passiert und passieren muss, aber das versteht sich ja von selbst, wenn wir von Augenhöhe sprechen. Wir wollen wissen, wer da vor uns sitzt und wir wollen auch transparent machen, dass unsere Begleitung nur dann stattfindet, wenn die Aktivität gut verteilt ist. Weil mit verschränkten Händen noch keiner eine Arbeit fangen geschweige denn halten konnte.

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Ich kenne Naser nun seit ungefähr 4 Monaten und muss sagen, dass sich mein Bild von ihm in dieser Zeit sehr verändert hat. Auch, weil Naser sich verändert hat. Er, der mit seinen Eltern aus Afghanistan fliehen musste und seine halbe Kindheit als U-Boot im Iran verbracht hat. Er, der keinen Pflichtschulabschluss vorzuweisen hat und lange Zeit gern die Schuld bei anderen gesucht hat, was in seinem Fall ja beinahe naheliegend war, wenn man auf sein Leben schaut, hat sich in diesen wenigen Monaten selbst am Schopf aus dem Sumpf der Larmoyanz gezogen, ist aufgestanden und aktiv geworden. Hat Bewerbungen geschrieben, an Türen angeklopft, zum Telefon gegriffen, genetzwerkt mit seinen bescheidenen Möglichkeiten. Aber er hat es getan, ist umgefallen, aufgestanden und weitergegangen, leicht hinkend, weil er das eine Bein etwas nachzieht. Nie wissend, wie er das Geld zusammenbringt für die Fahrt zum nächsten Kompetenzcheck, zum nächsten Bewerbungsgespräch. 

Und dann, in der Zielgeraden hatten wir plötzlich die Wahl. Auch, weil das AMS Hallein uns super unterstützte. Ein Lehre als Koch oder einen Job als Tankstellenwart bei Shell in Kuchl. Mein erster Impuls war natürlich die Lehre, die ihm neue Perspektiven eröffnet, aber Naser wollte endlich einmal arbeiten und sein eigenes Geld verdienen. Auf seinen eignen Füßen stehen. Dagegen gibt es nichts einzuwenden. Es gibt große Ziele. Und es gibt kleine Ziele. Und dazwischen gibt es den Traumjob Tankstellenwart. Endlich! Ein erster Schritt. Das größere Ziel werden wir im Auge behalten. Versprochen!